Biomasse

- Biomasse: neu entdeckter Energieträger
Biomasse ist weder Entengrütze noch Haferschleim - und doch ist es beides: Hiermit sind alle organischen Stoffe gemeint, aus denen wir Nutzenergie gewinnen können. Aus Biomasse können wir biogene Treibstoffe herstellen wie zum Beispiel Pflanzenöl aus Raps oder Bioalkohol aus Stroh; Biogas aus Gülle oder Holzpellets aus Sägemehl.
Die Neuentdeckung der Biomasse als Energieträger wird unser Verständnis für die Nutzungsmöglichkeiten unser Landschaften verändern - spätestens dann, wenn die weltweiten Rohöl-Vorräte erschöpft sein werden.
Zunächst ist Biomasse nicht nur Energielieferant, sondern auch Energiespeicher. Bei seiner regionalen Nutzung bleibt die Wertschöpfung (zumindest heute noch weitgehend) im Inland. Ein neuer Markt entsteht; er kann sich entkoppelt vom Ölmarkt entwickeln. Biomasse bietet Chancen auch für den regionalen Arbeitsmarkt: Es herrscht Aufbruchstimmung.
Doch bereits jetzt müssen die Weichen für eine nachhaltige Entwicklung gestellt werden. Wir müssen entscheiden, ob wir zulassen, ob anderenorts artenreiche Regenwälder weichen müssen, um Palmölplantagen für billiges Pflanzenöl Platz zu machen. Gleichfalls müssen wir uns Fragen, ob Energiepflanzen dort angepflanzt werden dürfen, wo sonst die Ernährung Menschen sichergestellt wird.
Doch schauen wir zunächst, wie wir vor unser Haustür Biomasse nutzen können: zum Beispiel als Holzpellets.
Die Holzpelletsheizung
Holzheizungen sind attraktiv, weil sie mit dem Komfort herkömmlicher Gas- und Ölheizungen mithalten können. Der kleine Unterschied: Holzpellets sind aus Holzabfällen gepresst und daher aus einem nachwachsenden Rohstoff hergestellt.
Holzpelletheizungen werden in einem Leistungsbereich von 5 kW bis zu einigen 100 kW angeboten und erreichen, weil immer öfter regelfähig, i.d.R. Wirkungsgrade von rund 90 Prozent.
Holzpelletkessel verfügen über eine Brennkammer, eine Vorrichtung zur Reinigung der Wärmetauscherflächen von Verbrennungsrückständen, eine automatische Entaschung und den eigentlichen Brenner. Die Verbrennung erfolgt iin einer Brennmulde mit einer automatischen Zündung, in die die Pellets eingerieselt werden.
Die Leistungsregelung ermöglicht einen automatischen Betrieb. Variiert werden die Brennstoffzufuhr sowie die Verbrennungsluftzufuhr über ein Gebläse. Regelgröße ist meistens die Kesseltemperatur. Der Regelungsbereich liegt im Bereich zwischen 100% (Volllast) und 50% (Teillast).
Unterhalb der kleinsten Wärmeleistung, die im kontinuierlichen Betrieb noch erbracht werden kann, arbeiten die Anlagen im Ein-Aus-Betrieb in Verbindung mit einer automatischen Zündeinrichtung oder einer Glutbetterhaltung.
Der Brennstoff Holzpellets

- Holzpellets: Brennstoff mit genormten Eigenschaften
Holzpellets werden aus Sägemehl ohne den Zusatz von Hilfsstoffen hergestellt, indem das Sägemehl bei höherer Temperatur durch eine Lochmatrize gepresst wird. Durch den niedrigen Wassergehalt < 10% haben sie einen vergleichsweise hohen Energieinhalt (4,9 kWh/kg) und benötigen nicht mehr Lagerraum als eine Ölheizung.
Durch die Homogenität und Staubfreiheit des Brennstoffs erreicht man eine sehr gleichmäßige Verbrennung mit minimaler Schadstoffbelastung. Der Schwefelgehalt des Abgases liegt um einen Faktor 10 unterhalb des Abgases von Heizöl. Die Asche kann als Dünger verwendet werden. Ein Wermutstropfen: Bei der Verbrennung werden Feinstaubpartikel frei. Große Anlagen müssen daher mit einer Rauchgasentstaubung ausgerüstet werden.
Pelletslagerräume benötigen in etwa so viel Platz wie Tankräume für Ölkessel. Für ein normales Einfamilienhaus benötigt man je nach Heizlast bzw. Wärmebedarf einen Raum von etwa 6 bis 10 m² Fläche. Damit kann ein Jahresbedarf (4.000 bis 5.000 kg für ein Einfamilienhaus) eingelagert werden. Die Zustellung erfolgt üblicherweise mit Tankwagen. Der Schlauch zur Einblasung ist maximal 30 m lang. Steht kein ausreichender Speicherplatz im Gebäude zur Verfügung, können Silos oder Erdtanks installiert werden. Auch Mehrfachlieferungen im Jahr sind eine Alternative.
Der Transport der Pellets in den Kessel erfolgt meist mit Hilfe von Förderschnecken. Auch Saugförderungen werden angeboten, setzen sich aber weniger durch.
Wirtschaftlichkeit von Holzpellets

- Verbrennende Holzpellets
Die Brennstoffkosten sind deutlich günstiger als bei Heizöl oder Gas und variieren nach Lieferart (mit Tankwagen eingeblasen, in Säcken oder Big-Bags) und Lieferdatum. Der automatisch Heizkessel selbst ist andererseits noch deutlich teurer als ein herkömmlicher Heizkessel, Preise sinkend. Die hohen Investitionskosten werden etwas relativiert durch den Wegfall von Gasanschluss oder Öltank. Die Lagerraumkosten sind deutlich niedriger.
Eine Alternative zum automatisch beschickten Kessel sind Einzelöfen, die manuell oder halbautomatisch betrieben werden können und daher zweckmäßigerweise im Wohnraum aufgestellt werden.
In NRW wurden Holzpelletkessel bis zur Mitte des Jahres 2006 über die Holzabsatzförderung (kurz HAFÖ) gesondert gefördert. Nach dessen Wegfall können jetzt nur noch Zuschüsse beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle, www.bafa.de, beantragt werden. Immerhin wird ein Standard-Holzpelletkessel entsprechender Qualität mit mindestens 1088,- Euro gefördert.
Weitere Infos gibt es z.B. auf den Seiten www.Aktion-Holzpellets.de und www.Carmen-ev.de.


